WHO appelliert für gerechtere Verteilung von Impfstoffen: Welt am Rande eines katastrophalen moralischen Versagens
Der Chef der Weltgesundheitsorganisation erklärte am Montag, die gerechte Verteilung von Coronavirus-Impfstoffen sei ernsthaft gefährdet. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte vor einem katastrophalen moralischen Versagen.
Er sagte, die Verteilung von Impfstoffen könne leicht zu einem weiteren Baustein der Ungleichheit zwischen den reichen und armen Ländern der Welt werden. Während in mindestens 39 Ländern mit höherem Einkommen inzwischen mehr als 49 Millionen Dosen verschiedener Impfstoffe verabreicht wurden, waren es in einem Land mit niedrigerem Einkommen nur 25 Dosen.
„Da die ersten Impfstoffe eingesetzt werden, ist das Versprechen eines gleichberechtigten Zugangs ernsthaft gefährdet“, sagte er bei einer Sitzung des WHO-Exekutivrats.
„Ich muss es ganz offen sagen: Die Welt steht am Rande eines katastrophalen moralischen Versagens, und der Preis für dieses Versagen wird in den ärmsten Ländern der Welt mit Menschenleben und Existenzen bezahlt werden“, fügte er hinzu.
Zu Beginn seiner Rede betonte Tedros, dass die Entwicklung und Zulassung sicherer Coronavirus-Impfstoffe weniger als ein Jahr nach dem Auftreten des Virus in China Ende 2019 eine beeindruckende Leistung und ein dringend benötigter Hoffnungsschimmer sei. Er fügte jedoch hinzu, dass es ungerecht sei, dass jüngere, gesündere Menschen in reichen Ländern vor Gesundheitspersonal und älteren Menschen in armen Ländern geimpft würden.
„Es wird genug Impfstoff für alle geben, aber jetzt müssen wir als globale Familie zusammenarbeiten, um denjenigen in allen Ländern Priorität einzuräumen, die am stärksten von schweren Erkrankungen und Tod bedroht sind“, betonte er.
Ohne Namen zu nennen, sagte Tedros, dass einige Länder und Unternehmen zwar den gleichberechtigten Zugang anstreben, aber weiterhin bilaterale Abkommen bevorzugen und COVAX umgehen, das die Preise erhöht und versucht, sich an die Spitze der Warteschlange zu drängen. COVAX ist ein globales Programm, das von der internationalen Impfstoffallianz Gavi, der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations und der WHO geleitet wird.
Die Initiative wurde gegründet, um allen Ländern weltweit einen gleichberechtigten Zugang zu Impfstoffen zu gewährleisten. Ziel ist es, bis Ende 2 zwei Milliarden Dosen sicherer und wirksamer Impfstoffe bereitzustellen, die die behördliche Zulassung und die Präqualifikation der WHO bestanden haben. Die WHO rief wohlhabendere Länder, die Millionen von Dosen Coronavirus-Impfstoff vorbestellt hatten – wie die USA, Großbritannien und Europa – dazu auf, einen Teil dieser Impfstoffe an COVAX zu geben, damit diese sie anschließend an ärmere Länder verteilen können.
Wohlhabendere Länder wurden beschuldigt, mehr Impfstoffe zu horten, als sie benötigen, obwohl die Impfstoffversorgung noch in den Kinderschuhen steckt, da sich die Massenimpfungen, die im Westen im Dezember begannen, größtenteils noch in der ersten Phase der Verteilung befinden, berichtet CNBC.
Tedros forderte Länder mit bilateralen Abkommen mit Impfstoffherstellern und einer Kontrolle der Versorgung dazu auf, COVAX gegenüber hinsichtlich Menge, Preis und Liefertermin transparent zu sein und ihre Dosen erst dann an COVAX weiterzugeben, wenn sie ihr eigenes Gesundheitspersonal und ihre ältere Bevölkerung geimpft haben.

